Übertriebene Emanzipation

Einkaufen ist manchmal anstrengend, manchmal lustig, manchmal nervig und manchmal einfach nur sehr seltsam.

Letzten Samstag war ich in einem Einkaufscenter, um Gwen und mich mit Lebensmitteln und Getränken zu versorgen. Das Wetter war vom frühen Morgen weg gut und es versprach, ein heisser Tag zu werden. Ich hatte keine Lust gehabt, Hosen anzuziehen und mich für einen langen Rock und Tshirt entschieden. Soweit, so angenehm.

Nachdem ich mit meinen Einkäufen fertig war, besorgte ich mir noch ein kleines Frühstück für zu Hause. Dann schob ich meinen Wagen zu den Aufzügen. Davor wartete schon eine ältere Dame (wir sprechen hier von irgendwas zwischen 70 und Scheintot), sowie ein junges Pärchen. Die Dame musterte mich schon so seltsam, als ich mich mit meinem Einkaufswagen näherte. Na gut, ich trug ein Totentänzer Tshirt, soll sie halt gucken. Doch weit gefehlt. Denn nachdem wir in die Kabine eingestiegen waren, die Türen hatten sich noch nicht wieder geschlossen, legte Oma los! Sie fände es furchtbar, wie wir jungen Dinger auf alles spucken würden, wofür ihre Generation gekämpft habe. Sie hätten sich noch dafür eingesetzt, Hosen tragen zu dürfen und die Haare kurz zu schneiden. Und heute sehe sie uns jungen Tüpfis (!) mit langen Locken und Röcken herumlaufen, als ob ihr Kampf nichts wert gewesen sei. Ihr blute das Herz…..
Glücklicherweise hielt der Aufzug in diesem Moment in meinem Stockwerk. Obwohl ich ob ihres Ausbruchs relativ perplex war, gelang mir eine mMn elegante Replik: „Lady, suchen Sie sich ein Hobby. Demonstrationen gegen Rassismus sind zur Zeit recht populär.“ Damit liess ich eine sprachlose ältere Dame und ein grinsendes junges Päärchen stehen.

Ich bin auch jetzt, 2 Tage später noch leicht irritiert und verwundert ob des Ausbruchs. Ja, gewisse Dinge, die wir Frauen heute für selbstverständliches Recht halten, wurden durch unsere Vorfahrinnen erkämpft. Dazu gehören auch das Tragen von Hosen und kurzen Haaren, Wahl- und Stimmrecht, das Recht auf Schulbildung und vieles vieles mehr. Viele dieser Errungenschaften möchte ich nicht missen. Mir ist auch bewusst, dass die Geschlechterdiskriminierung auch heute noch ein Problem ist.
Frauen werden zum Beispiel teilweise schlechter bezahlt als Männer, sie werden weniger in führende Positionen gewählt uswusf. Werden Frauen in Führunspositionen befördert, haben sie häufig den Stempel der Quotenfrau. Oft werden sie auch abgestempelt als karrieregeile Weiber. Häufig übrigens durch das eigene Geschlecht und weniger durch Männer.
Doch es ist eben auch anders herum. Auch Männer werden teilweise diskriminiert. In der Schweiz herrscht zum Beispiel die allgemeine Wehrpflicht, diese ist obligatorisch – für Männer! Nicht aber für Frauen. Wieso eigentlich nicht und wieso mucken die emanzipierten Frauen hier nicht auf? Man kann die Wehrpflich für gut oder schlecht befinden, das ist hier nicht der Punkt. Aber wenn man schon die männliche Hälfte der Bevölkerung zum Dienst verpflichtet, warum nicht auch die weibliche Hälfte? Das wäre nur gerecht.
Der Sohn einer Arbeiskollegin will unbedingt Kindergärtner werden. Er liebt es, mit Kindern zu arbeiten und hat wirklich ein Händchen für die Kleinen. Seine Mutter ist stolz auf die Entscheidung ihres Sohnes. Dennoch muss sie sich ab und zu anhören, ob ihr Sohn denn nichts Richtiges lernen wolle. Kindergärtner sei ja ein typischer Frauenberuf. Oft wird sie auch hinter vorgehaltener Hand gefragt, ob der Sohn vielleicht schwul sein.
Meine Cousine 2. Grades hatte damals eine Lehre als Automechanikerin gemacht und sie war gut in ihrem Job. Ihr Chef wollte sie auch nach Beendigung der Ausbildung weiterbeschäftigen und das durchaus ein Zeugnis für ihre gute Arbeit. Von ihrer Verwandtschaft wurde sie dennoch belächelt und „gutmütig“ verspottet. Schliesslich ist der Job ja anstrengend und schmutzig und sie ja nur eine Frau.

Dieses Rollen- und Klischeedenken macht mich nachdenklich. Warum muss das Geschlecht eine Rolle spielen in der Berufswahl. Warum kann man nicht einfach akzeptieren, dass jemand Spass an seinem Job hat und darin gut ist?

Geschlechterrolle

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