Grenzdebile Nüsse und andere Vollpfosten

Dieser Artikel schlummert schon ein Weilchen vor sich hin. Doch was ich in den letzten Tagen an „Gejammer lesen musste“, hat mich dazu bewogen, euch an meinen Gedanken teilhaben zu lassen.Ich gehöre eher zu den „Nischenproduktkonsumenten“… Die Bands, die mir gefallen, werden es vermutlich nie schaffen, 10-Tausende auf ihre Konzerte zu locken. Die Bücher, die ich lese, werde ich wohl eher nicht am Bahnhofskiosk kaufen können (Schliesslich haben die Protagonisten Sex, Saufen, Fluchen und/oder prügeln sich). Die nachfolgenden Gedankengänge gelten trotzdem für alle Künstler, ob jetzt grosse Bands wie zum Beispiel AC/DC oder Indieautoren wie Catalina Cudd. Allerdings verschärft sich das Problem, je kleiner das Zielpublikum eines Künstlers ist.

Geiz ist geil

Damit warb schon ein grosses Elektronikunternehmen. Grundsätzlich ist es ja auch in Ordnung, wenn man Preise vergleicht und das günstigere Produkt kauft. Wenn das Produkt A (inkl. aller zusätzlicher Leistungen) bei Händler X 10 € und bei Händler Y 11 € kostet, kaufe ich auch lieber bei Händler X. Es kann aber nicht angehen, dass man sich beim Krämer um die Ecke ausführlich beraten lässt, im grossen Discountmarkt das Produkt für billiges Geld kauft und sich dann die Inbetriebnahme beim Händler in der anderen Strasse zeigen lässt. Die meisten Ladeninhaber machen das Spiel mit, schliesslich sehen sie sich als Dienstleister. Und wenn sich mal einer erdreistet, für seine Hilfe oder Beratung ein paar Franken zu verlangen, wird es sofort als geldgeil verschrieen. Schliesslich ist es seine Pflicht, für Umme zu arbeiten.

Geiz ist geil

Eine Band verbringt Tage im Songwritercamp, feilt an neuen Melodien und schreibt neue Texte, um die Fans bald mit einem weiteren Album zu beglücken. Die Musiker sind wochen-, wenn nicht sogar monatelang unterwegs, spielen auf Festivals und in Clubs. Damit sich die Fans noch besser unterhalten fühlen, werden Tourtagebücher geschrieben oder auf Youtube veröffentlicht.
Man merkt dem neuen Album an, wieviel Herzblut und Persönliches drin steckt, findet es sogar richtig toll. Aber dafür bezahlen? Was für eine Frechheit! Also wird munteres Songtauschen betrieben. Ich habe es schon öfters erlebt, dass auf den Sozialprofilen von Bands Anfragen von „Fans“ gestartet wurden, ob andere Fans ihnen nicht die neue CD kopieren könnten. Traurigerweise gehen immer wieder Leute darauf ein, anstatt das Thema Urheberrecht anzusprechen.

Geiz ist geil

Eine Indieautorin verkriecht sich monatelang in ihrer Schreibklause. Ihr Kaffeekonsum steigt ins Unermessliche, während sich die Familie wundert, was da für ein verzotteltes Wesen bei ihnen mitwohnt. Ideen werden notiert und wieder verworfen, Schreibblockaden überwunden und manchmal wacht sie Nachts um 3 auf, weil ihre Geschichten gerade jetzt aufgeschrieben werden wollen. Wenn dann das Buch endlich fertig ist, lässt sie es lektorieren und korrekturlesen, entwirft (oder lässt entwerfen) das Titelbild, lässt vielleicht auch passende Goodies anfertigen. Band 1 lief grossartig, Band 2 verkaufte sich vielleicht noch häufiger und bei Band 3 brechen die Verkaufszahlen urplötzlich ein. Aber nicht etwa, weil die Fans das dritte Buch nicht mehr gut finden. Im Gegenteil, sie finden es noch besser als die beiden Vorgänger. Aber dafür bezahlen müssen? Wo kämen wir denn da hin? Schliesslich haben sie schon für die ersten beiden Bände Geld bezahlt. Das muss reichen. Also lädt man es sich lieber irgendwo gratis – und damit auch illegal – herunter.

Geiz ist geil

Was macht die Laju jetzt da für ein Aufhebens um das bisschen schwarz getauschte Bücher oder Musik?
Mal davon abgesehen, dass Verstösse gegen das Urheberrecht kein Kavaliersdelikt sind [Gwen hat dazu übrigens einen super Artikel geschrieben], geht es mir um etwas ganz Anderes. Jeder von uns erwartet, für seine geleistete Arbeit entlöhnt zu werden. Stellt euch einmal vor, euer Arbeitgeber teilt euch am Monatsende mit „Wir haben dir die letzten 10 Jahre pünktlich deinen Lohn bezahlt, das muss reichen, du bekommst diesmal nichts“. Eine schreckliche Vorstellung, nicht wahr? Aber genau das tut man mit jedem illegalen Download. Man enthält dem Künstler seinen Lohn vor und entzieht ihm unter Umständen so die Lebensgrundlage. Ich kann schon verstehen, warum manche Autorin sich überlegt, ob sie überhaupt noch Schreiben oder den Beruf doch besser an den Nagel hängen soll.

Klar, Geiz ist geil und nichts bezahlen gefällt besser, als dass das Geld weg ist. Doch das Argument „ich habe kein Geld“ zieht hier definitiv nicht. Diebstahl ist Diebstahl, ob es sich nun um einen Gegenstand zum Anfassen oder Bits&Bytes handelt, spielt keine Rolle. Wenn ich Etwas haben will, dann spare ich darauf oder wünsche es mir zum Geburtstag.

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Mein Artikel wird die Welt nicht verändern, das ist mir klar. Aber ich hoffe, dass ich doch den einen oder anderen Denkprozess in Gang setzen konnte.

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