Musik, die unter die Haut geht

Als Teenager und Tween war ich eher introvertiert, lebte in meinem Schneckenhaus und verschlang Bücher über Bücher über Bücher. Weggehen und fremde Menschen kennenlernen? Womöglich noch an ein Konzert, wo ich zu Tode getrampelt werde? Geht’s noch?
Die Einleitung zeigt es schon, dieser Artikel wird sehr persönlich. Wer damit nicht umgehen kann/will, sollte besser nicht weiterlesen. ❤

Dann kamen die ersten Ausflüge in die Welt der Highlandgames und „Mittelaltermärkte“. Schön bei uns in der Nähe, nie zu weit weg und vor allem auch nicht zu lange. Gwen verführte mich damals zu meinen ersten Highlandgames in Fehraltorf, wo die Band Rapalje spielte. Ich war hellauf begeistert. Aber leider spielten die Holländer nicht so häufig in der Schweiz. Alternativen mussten her! So stolperten wir das erste Mal über das MPS, welches damals noch in Singen gastierte. Ich erinnere mich noch, es war nass und matschig, es war saukalt und es war saugeil.

Ich glaube, damals ist bei mir der Knoten, wenn auch noch nicht geplatzt, doch ein wenig lockerer geworden.
Ja und dann waren wir irgendwann mittendrin im MPS-Trubel, bestellten unsere ersten Jahreskarten, waren auf jährlich 6 bis 7 Terminen zu finden. Der Knoten hatte sich weiter gelöst. Dann kam der 11.11.2015 und unsere grosse Abenteuerreise startete. Während diesem Jahr passierte so unglaublich viel. Wir lernten grossartige Menschen kennen. Wir waren auf mehr Konzerten als in meinem gesamten vorherigen Leben zusammengenommen. Wir besuchten Festivals, die ich vor wenigen Jahren noch gemieden hätte, wie der Teufel das Weihwasser. Hey, ich denke sogar über Wacken nach. Also, das richtig grosse Wacken. Die Wacken Winter Nights werden es ja definitiv werden.
Ich erinnerte mich an Dinge, die ich schon lange vergessen/verdrängt hatte. Ich dachte an Verlorenes zurück. Ich erinnerte mich an schöne und traurige Erlebnisse. Begleitet wurde ich in all dieser Zeit nicht nur durch die weltbeste Wohnungsteilerin, meine Herzschwester, sondern vor allem auch durch die Musik. Musik war mir seit jeher wichtig. Wenn nicht irgendwo das Radio lief, dann summte ich leise vor mich hin. Ich kann zwar weder ein Instrument spielen noch singen, aber das hat mich noch nie davon abgehalten. Schon immer waren für mich Gefühle und Musik extrem eng verknüpft. Sei es als Erinnerung an bestimmte Personen oder Ereignisse, sei es als Stimmungsmacher. Musik hatte schon immer einen grossen Einfluss auf meine Gefühlslage. Sie löste Emotionen in mir aus, riss mich in Stücke, brach mein Herz, fing mich auf und brachte mir Heilung. Sie rief manche Träne hervor, brachte mich zum Lachen und bescherte mir Gänsehaut. Ohne Musik hätte ich Vieles nicht erlebt, Freunde nicht kennengelernt. Die Musik brachte mich dazu, neue Dinge zu tun, Unbekanntes auszuprobieren und an fremde Orte zu reisen.

Es gibt viele Songtexte, die meine durch Musik ausgelösten Gefühle beschreiben. Nichts bleibt mehr von SaMo habe ich bisher nur einmal live gehört, am PLWM 2016 in Dortmund. Als ich da in der Menge stand und Alea zuhörte, zerriss es mich innerlich beinahe. Ich hatte eine Phase in meinem Leben, in der ich allem ein Ende machen wollte. Dass ich heute noch hier bin und diesen Artikel schreibe, ist nicht selbstverständlich. Damals stoppte mich nur der Gedanke, dass ich es meiner Familie nicht antun kann.
Zeitlos von Versengold ist ebenfalls ein Text, welcher sehr genau ausdrückt, wie ich heute lebe. Ich lebe im hier und jetzt, mache mir keine wenige Gedanken über das Morgen. Lange Zeit war ich angepasst, wollte nur ja nicht auffallen. Durch meine chronischen Krankheiten habe ich aber gelernt, JETZT zu leben, auch auf die Gefahr hin, damit anzuecken. Einige Zeilen aus Caledonia von Dougie MacLean würden ebenfalls sehr zu mir passen. Ich habe mich verändert und verändere mich weiter, musste mich auf meinem Weg von Freunden verabschieden und wurde dafür mit neuen, unglaublich tollen Freunden beschenkt. Ich hab gelebt von Metusa beschreibt das, was ich später mal von mir selber sagen will. Nicht alles was ich tat, war vernünftig, doch wenigstens habe ich gelebt.

Es gibt noch zahlreiche weitere Beispiele an guten Songtexten, welche mir viel bedeuten. Sei es, weil sie meine Vergangenheit beschreiben oder meine momentane Situation wiedergeben. Sei es, weil sie mich in meine mögliche Zukunft blicken lassen oder mich sonst tief berühren. Doch kein Song passt besser zu mir, meiner Vergangenheit, meiner Zukunft und meinem ganzen Sein als Hafen der Seele, insbesondere der Refrain, von Fuchsteufelswild.

Ob wir Feiern oder Trauern
Ob wir Lachen oder Weinen
Ob uns der Sonne Licht
Oder Mond und Sterne scheinen
Ob wir in Palästen wohnen
Oder doch im Rinnstein schlafen
Musik ist für die Seele
Was für ein Schiff der Hafen

by Fuchsteufelswild

Ich wollte aber nicht nur den Text allein auf der Haut tragen. Eine Verbindung zu der Band, die mit diesem Song meine Seele berührt hatte, musste schon auch sein. Doch da ich nur dann ein Bandlogo auf der Haut tragen werde, wenn ich selber Mitglied in dieser Band bin (also nie 🙂 ) war jetzt guter Rat teuer. Doch halt, FUCHSteufelswild, Fuchs, tada, die Idee war geboren. img_4088 Jetzt galt es nur noch, ein passendes Motiv zu finden. Bald hatte ich mich für einen Fuchskopf entschieden. Als Technik kamen für mich nur Aquarell/Watercolor in Frage. Sobald ich die Vorlagen zusammen hatte, wurde ich im Tattoo-Store vorstellig. Dann ging alles sehr schnell. 5 Tage später war der Besprechungstermin und nochmals 3 Tage danach sollte das Tattoo dann gestochen werden.
Zur gleichen Zeit war Gwen an der Entwicklung ihres Tattoomotivs, ebenfalls aus einem Song von Fuchsteufelswild. Dabei stolperte sie über ein Bild von zwei miteinander spielenden Füchsen. Uns gefiel die Idee, unsere beiden Tattoos zu „kombinieren“, sprich einer der Füchse für Gwens Tattoo, der andere für das meine. Also verwarf ich mein ursprüngliches Motiv wieder. Dann kam der Besprechungstermin mit Tanis Biazus, Guest-Artist bei Giahi. Sie besprach mit mir das Tattoo und musste mir leider mitteilen, dass mein Motiv und diese Menge Text so nicht umsetzbar sind. Wir sprachen lange über das Motiv und entscheiden uns schlussendlich, den Text massiv zu kürzen. Am Schluss blieben nur noch die beiden letzten Zeilen. Obwohl mir die Vorschläge zur Umsetzung von Tanis sehr gut gefielen, nagte das Tattoo doch die halbe Nacht an mir. Am nächsten Morgen war für mich eigentlich klar, nur diese zwei Zeilen sind mir zu wenig. Ich sprach mit Gwen nochmals darüber und sagte ihr, ich würde mit Tanis Kontakt aufnehmen und sie wegen meiner ursprünglichen Idee fragen. Gwen hatte an diesem Abend den Besprechungstermin für ihr Tattoo und bot mir an, mitzukommen und Tanis gleich zu Beginn zu fragen (Danke Herzschwester). Zum Glück bestätigte Tanis mir, dass diese neue-alte Idee machbar sei. Das Bild wurde zwar ein gutes Stück kleiner als der spielende Fuchs, dafür brachten wir den für mich so wichtigen Text komplett unter. Wir haben uns für eine sehr klare, elegante aber trotzdem auch verspielte Schrift entschieden, die meiner Meinung nach perfekt passt. Da Gwen dieselbe Schrift gewählt hat, haben wir nun trotzdem Etwas, was unsere Tattoos verbindet. Ein Aspekt, der mir sehr viel bedeutet, hat sie schliesslich am Meisten zu meiner persönlichen Weiterentwicklung beigetragen. Ohne Gwen wäre ich wohl noch heute ein Stubenhocker 😉.
Nachdem alles fertig besprochen war, mailte ich Tanis alle meine Vorlagen und konnte den Termin 2 Tage später kaum mehr abwarten.

Dann endlich war der grosse Moment gekommen. Tanis hatte die Grösse des Tattoos super abgeschätzt und die Vorlagen passten perfekt. Nach den üblichen Vorbereitungen konnte es auch schon losgehen.

img_4092
work in progress

Tanis ist eine grossartige Künstlerin und tätowiert sehr angenehm. Wir quatschten ab und an ein bisschen, doch die meiste Zeit döste ich vor mich hin und sie arbeitete konzentriert an ihrem Kunstwerk. Zuerst stach sie die Schrift, da sie dort auf die klaren Linien angewiesen war. Danach bereitete sie die Farben vor, übertrug den Fuchs und machte sich wieder an die Arbeit. Obwohl die Sitzung rund 4 Stunden dauerte, wurde es erst die letzte gute halbe Stunde eher unangenehm. Kein Wunder, mittlerweile war die Stelle auch überreizt. Aber ansonsten war es super aushaltbar, ich bin ab und an fast weggeschlafen 🙂 Tanis ist eine grossartige Tattoo-Artistin, die ich gerne wieder an meine Haut lassen werde. Sie verstand auch trotz Sprachbarriere, da sie aus Brasilien kommt und kein Deutsch kann, lief alles auf Englisch, worauf es mir bei dem Tattoo ankommt und welche tiefe Bedeutung es für mich hat. Sobald sie wieder in der Schweiz ist, werde ich mir einen Termin bei ihr geben lassen. Es gibt da noch ein Memorial-Tattoo, welches endlich gestochen werden soll.
Die Umsetzung meiner Wünsche ist ihr perfekt gelungen und dennoch konnte sie ihren persönlichen Stil einbringen. Ich bin absolut happy über das Tattoo und könnte es die ganze Zeit ansehen.

 

Knapp 10 Tage nach dem Stechen

Credits:
Idee und Konzept: Lajana von der Drachenhöhe
Text: Fuchsteufelswild
Originalbild: Conrad Roset
Tattoo-Artist: Tanis Biazus
Tattoo-Store: Giahi

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