Watermarks sucks!

Es ist das Leid eines jeden Fotografen, ob die Fotografie als Hobby oder von Berufes wegen betrieben wird: der Bilderdiebstahl.

Kürzlich habe ich auf Facebook wieder mal einen Kommentar gelesen: Watermarks sucks! Nicht mehr und nicht weniger hat der Kommentierende unter ein Album mit tollen Bilder gepostet.
Zu meinem Freundeskreis zählen einige Fotografen, die immer mal wieder feststellen müssen, dass ihre Bilder ohne Credits wiederveröffentlicht werden. Übrigens auch von Musikern….
Zu meinem Freundeskreis zählen einige Nichtfotografen, mit denen ich schon öfters Diskussionen geführt habe, warum ich auf den Credits bestehe.
Ich hatte auch schon Diskussionen mit Menschen (Fremden wie Freunden) die sich am Wasserzeichen stören, weil es das Gesamtbild beeinträchtige.

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Open Source Bild von pixaby.com

 

Ich bin zwar noch lange keine Expertin auf dem Thema, habe mich aber mal ein bisschen mit dem schweizerischen Urheberrecht auseinander gesetzt.

Das Bundesgesetz über das Urheberrecht und verwandte Schutzrechte auch genannt Urheberrechtsgesetz, URG (SR 231.1) regelt in der Schweiz das Urheberrecht. Es geht darin also um den Schutz von Urhebern, Künstlern, Hersteller von Kunstwerken usw. (vgl. Art. 1). Bereits in Artikel 2 wird definiert, was als Werk (und damit als zu schützen) im Sinne des Gesetzes gilt. In Absatz 2 Buchstabe b sind explizit photografische Werke genannt.
Damit gilt, jedes Foto ist vom Urheberrecht geschützt und darf ohne Zustimmung des Urhebers nicht kopiert werden. Grundsätzlich sind somit Wasserzeichen bzw. Hinweise in der Albumbeschreibung (z.Bsp. bei Facebook) überflüssig. Warum ich beides trotzdem mache? Eigentlich aus zwei Gründen.
Einerseits erinnert es vielleicht manch übereifrige Person daran, dass er/sie/es gerade im Begriff ist, eine Straftat zu begehen. Vielleicht überlegt es sich die Person dann zweimal und fragt doch lieber erstmal den Urheber um Erlaubnis. Leute, wir beissen nicht. Wenn ihr vorgängig nett und höflich fragt, vielleicht auch noch erklärt, wozu ihr das Bild nutzen wollt, werden wir in der Regel die Erlaubnis geben.
Andererseits kommen Wasserzeichen im Falle von Rechtsstreitigkeiten dem Urheber, also mir, zu Gute. Denn gemäss Artikel 39 ff, in meinem Fall insbesondere Artikel 39c ist das Entfernen oder Umgehen eines Kopierschutzes (wozu auch ein Wasserzeichen gehört) verboten.
Ich habe mich nicht damit auseinander gesetzt, denke aber, in anderen Ländern dürfte das ähnlich geregelt sein.

Aber genug vom trockenen rechtlichen Geschwafel. Kommen wir zum wahren Grund dieses Blogeintrages.
Sehen wir uns mal an, was es alles braucht, damit ein Fotograf euch gute Bilder von einem Event liefern kann, von der jahrelangen Übung mal abgesehen.

  • Ausrüstung:
    Diese ist nicht unbedingt billig. Auch wenn es mittlerweile recht gute Kompakt- und Systemkameras gibt, die meisten Fotografen werden (mindestens) eine DSLR und (mindestens) ein passendes Objektiv besitzen. Ich selber habe zwei Bodies (wovon einer nicht mehr im Gebrauch ist), 5 Objektive (davon nutze ich 2 regelmässig) und für gewisse Anlässe – niemals für Konzerte – einen Aufsteckblitz. Dazu kommen Sonnenblenden, mehrere schnelle Speicherkarten in einem separaten Etui, je Kamera zwei Akkus und einen Kamerarucksack.
  • Reinkommen, Part One:
    Damit wir überhaupt fotografieren dürfen, brauchen wir so genannte Akkreditierungen. An diese zu kommen ist nicht immer ganz einfach. Je nach Band oder Veranstalter muss man erst einmal herausfinden, wer dafür zuständig ist. Dann schreibt man eine Email und hofft, die zuständige Person gewährt einem dann auch tatsächlich eine begehrte Akkreditierung. Oft genug habe ich auch schon einfach gar keine Antwort bekommen. Etwas leichter haben es da Fotografen, welche für Magazine arbeiten, da sich das Magazin idR um die Akkreditierung kümmert. Blöd nur, wenn mehr Presseleute an einen Event wollen, als Akkreditierungen da sind. Dann guckt man nämlich auch wieder in die Röhre.
    In einigen Fällen benötigt man dann trotz erfolgreicher Akkreditierung trotzdem noch ein Ticket.
  • Vorbereiten:
    Bei Bands die ich noch nie gesehen habe, versuche ich mich vorzubereiten. Ich schaue mir wenn möglich Fotos oder Youtube-Videos an. Dann kann ich einigermassen abschätzen, ob der Sänger ein Zappelphilip ist oder wie ein Stock in der Gegend herum steht. Je nachdem werde ich anders an das Fotografieren herangehen.
  • Reisen und Schlafen:
    Sei es mit dem Auto, Bus, Zug, Flugzeug oder wie auch immer. Wir müssen an den Ort des Geschehens kommen. In der Regel sind weder Konzerte noch Festivals gleich um die Ecke, die Anreise kostet also Zeit und Geld. Häufig genug müssen wir dann auch noch irgendwo schlafen. Unter dem Tourbus ist es meist nicht so bequem, also kommen noch Hotelkosten oder Campinggebühren (fürs Campen brauchen wir übrigens eine Ausrüstung) auf uns zu.
  • Reinkommen, Part Two:
    Vor Ort muss man dann herausfinden, wo man jetzt die Akkreditierung bekommt, also so richtig physisch, für jedermann sichtbar. Nicht immer ganz einfach, vor allem wenn das Personal selber keinen Schimmer hat.
  • Fotograben:
    Sehr häufig verfügt die Location über einen Fotografen, sozusagen die Reihe 0. Grossartig. Man „streitet“ sich mit vielen anderen Fotografen um die besten Plätze und Blickwinkel. Leider sind da ab und an auch richtige Arschlöcher dabei, denen es Wurst ist, dass sie dir gerade den Schuss deines Lebens versaut haben, als sie dir vor die Linse gelatscht sind.
    Da die Zeit im Graben begrenzt ist, hält man einfach drauf und versucht möglichst viele potentiell gute Bilder mitzunehmen. Ich persönliche bekommen da von der Musik und der Show eher wenig mit.
    In der Regel wird man nämlich nach den ersten 3 Songs (das können auch ein bis zwei Intros sein, bei denen die Band gar nicht auf der Bühne war) von der Security aus dem Graben geschmissen. Dann darf man sich irgendwo ganz weit hinten ein Plätzchen suchen…
  • Kein Fotograben:
    Äh ja. Viel Spass im Gedrängel und passt auf euer Ausrüstung auf.
  • Nacharbeiten, Part One:
    Ist man dann wieder zu Hause angelangt, lädt man dann als erstes alle Bilder auf den Computer. Das kann je nachdem dauern. Bei einem mehrtägigen Festival kommt doch einiges an Bildmaterial zusammen.
    Anschliessend geht man die Bilder durch, sortiert aus, reduziert. Ich stelle dann häufig fest, ich habe immer noch zu viele Bilder. Also gehe ich die Bilder ein zweites Mal durch und sortiere noch mehr aus.
  • Nacharbeiten, Part Two:
    Im Anschluss kommt dann die Bearbeitung der Bilder. Kaum ein Fotograf ist gut genug, als dass nicht doch die eine oder andere Nachbearbeitung nötig wäre. Je nachdem, wie der Beleuchter seinen Job gemacht und der Nebler an der Nebelmaschine herumgespielt hat, dauert die Bearbeitung eines Bildes zwischen mehreren Minuten und einigen Stunden (bei einem Abschlussbild investiert man durchaus auch mal sehr viel Zeit).
  • Social Media:
    Sind dann alle Arbeiten soweit erledigt, müssen die Bilder ja unter die Leute gebracht werden. In der Regel verfügt man über eine eigene Website, einen Blog, Facebook, Twitter, Instagramm oder sogar mehrere dieser Kanäle. Ich nutze so zwischen 1 und 4 Bilder für die Illustration meiner Blogartikel, die anderen lade ich auf Facebook. Ich teile zum Beispiel meine Blogartikel auf Facebook und verlinke dort die erwähnten Bands und Veranstaltungen. Meistens vergesse ich aber, interessante Hashtags mit dazu zu schreiben. Ausserdem erstelle ich ebenfalls auf Facebook ein Album, jeweils pro Band und packe alle relevanten Infos in den Albumtitel sowie die Beschreibung. Doch damit ist erst die halbe Arbeit getan, die Alben teile ich anschliessend auf den Facebook-Seiten der Bands, der entsprechenden Veranstaltungen sowie bei den diversen Fangruppen und -seiten.
  • Hindernisse:
    Nebel! Nebel sieht auf der Bühne meistens grossartig aus. Bei manchen Songs gehört Nebel schon fast mit dazu. Aber Nebel ist der Albtraum jedes Fotografens. Nebel stört. Nebel nervt. Nebel erschwert bis verunmöglicht gute Bilder. Nebel setzt sich auf der Linse fest. Nebel ist unangenehm einzuatmen.
    Licht! Mit weissem und gelbem Licht arbeite ich sehr gerne, das erfordert meiner Erfahrung nach die wenigste Nachbearbeitung. Rotes Licht ist schon schwieriger, blaues Licht ist noch eine Spur herausfordernder. Grünes Licht ist einfach nur noch zum kotzen, da die Künstler im grünen Licht tatsächlich einfach krank aussehen.
    Technik! Ja, Technik gehört auf die Bühne, das ist mir auch klar. Trotzdem ist sie manchmal einfach nur im Weg und man möchte sie am liebsten wegräumen. Tut man natürlich nicht!
    Künstler! Oh ja, auch die Künstler können manchmal ganz schön nervig sein. Sei es die kamerascheue Persönlichkeit, die sich immer wegdreht, wenn man sie endlich vernünftig vor die Linse bekommen hat. Sei es der kamerageile Musiker, der auch mal quer über die Bühne sprintet, um sich vor der Kamera in Pose zu werfen. Sei es oben erwähnte Zappelphilip, den man am liebsten irgendwo festbinden will. Sei es….ach, ich fotografiere in Zukunft einfach nur noch Stilleben 😀
  • Alles Andere:
    Daneben gibt es noch einen Haushalt, der geschmissen werden muss.
    Die Katzen wollen unterhalten und die Fische gepflegt werden.
    Meine Familie möchte mich auch ab und an mal sehen oder wenigstens mit mir telefonieren.
    Meine Freunde hätten auch gerne ab und an etwas von mir, zusammen essen gehen, DSA spielen oder einfach nur gemütlich quatschen.
    Ach und dann ist da noch der unwesentliche Umstand, dass ich einen 100%-Job habe. Zur Verdeutlichung, ich schiebe eine 43-Stunden-Woche zu etwas ungewöhnlichen Zeiten. Je nach Dienst und geplanter Aktion arbeiten wir nämlich Montag bis Sonntag und von ca 5:30 bis ca 23:00 Uhr.

All diese Punkte bedeuten einen teilweise sehr grossen zeitlichen und/oder finanziellen Aufwand für mich. Mein „einziger“ Lohn dafür: Likes, Kommentare und Teilungen. Es ist ein unheimlich tolles Gefühl, wenn der Musiker, den du fotografiert hast, deine Bilder von ihm/ihr liked.
Wenn ich dann aber erlebe, dass sich andere ungefragt an der Früchte meiner Arbeit bedienen, dann kotzt mich das an. Ich reisse mir (auf gut Deutsch gesagt) den Arsch auf und jemand anders gibt dann meine Arbeiten als seine eigenen aus, aktiv oder passiv (durch Weglassen der Urherberangaben). Kein schönes Gefühl.

Aus diesem Grund werde ich auch künftig  meine Bilder mit Wasserzeichen versehen. Vielleicht, nur vielleicht, verhindert es so den einen oder anderen Bilderklau.

3 Kommentare zu „Watermarks sucks!

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  1. Gefällt mir. Kenne die Problematik. Gerade Fotos von Events werden oft einfach woanders rein kopiert und öfter sogar das Wasserzeichen rausgeschnitten. Viele denken, dass alle Bilder komplett frei und jedermannes Eigentum sind. Bei uns passiert das oft im Larp Bereich mit Großevents und deren Andenken.

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