14. November ist Welt-Diabetes-Tag

Wie einige von euch vielleicht wissen, bin ich Diabetikerin. Die Diagnose kam für mich irgendwie beides, überraschend und doch auch wieder nicht.

2016-03-26 16.16.47 (2)
Das Tattoo direkt nach dem Stechen

Ungefähr ein dreiviertel Jahr nach der Diagnosestellung entschied ich mich, das Ganze auf eine sehr persönliche und tiefgehende Art und Weise zu verarbeiten. Ich liess mir mein erstes Tattoo überhaupt stechen. Darin eingeflossen sind das Zeichen der internationalen Diabetesgesellschaft und mit Gwens Hilfe die Diabetes-Awareness-Schleife sowie der Löffel für die Spoontheory (die ich ein anderes Mal erklären werde). Das Ganze wurde dann in der Besprechung mit dem Tattoo-Artist so umgesetzt, wie ich es gerne haben wollte. Der blaue Ring in Watercolor, die von Gwen gezeichnete graue Schleife mit dem Blutstropfen und dem Löffel – so hatte ich es mir vorgestellt und gewünscht.

 

Heute ist der Welt-Diabetes-Tag und ich möchte euch ein paar Punkte mitgeben (die ich schon einmal wo anders veröffentlicht hatte), welche aus meiner Sicht auch für Nicht-Diabetiker interessant zu wissen sind:

  1. Diabetes ist eine chronische Stoffwechsel-Erkrankung, die nach heutigem Stand der Medizin nicht heilbar ist. Ein Diabetiker hat in der Regel einige Möglichkeiten, das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen oder gar zu stoppen. Deswegen ist er aber nicht geheilt. Daran wird auch Wundermittelchen XYZ nichts ändern!
  2. Es gibt 3 Typen von Diabetes, plus meines Wissens noch diverse Unterarten dieser Typen. Typ 1 manifestiert sich idR in der Kindheit. Bei diesem Typen stellt die Bauchspeicheldrüse viel zu wenig bis gar kein Insulin mehr her. Das Insulin muss also von aussen zugeführt werden. Beim Typ 1 kann es zum sogenannten Honeymoon kommen, dabei wird aus bisher unbekannten Gründen für einen unbestimmten Zeitraum wieder genügend Insulin produziert. Dieser Zustand kann von wenigen Tagen bis mehrere Jahre dauern, ist aber nicht anhaltend. Früher oder später verweigert die Bauchspeicheldrüse wieder ihre Mitarbeit. Typ 1.5 konnte sich für den noch nicht sehr erforschten LADA-Diabetes (Late Autoimune Diabetes in Adulthood) nicht als Bezeichnung durchsetzen. LADA ist eigentlich Typ 1 Diabetes, der sich aber erst im Erwachsenenalter manifestiert. Typ 2 Diabetes wurde früher auch Alterszucker genannt, weil er vor allem im höheren Alter auftrat. Dank der Industrialisierung (überall Zucker, verarbeitete Lebensmittel und ein zuviel an Essen generell) tritt Typ 2 immer häufiger auch bei jüngeren Leuten auf. Wenn dann noch die familiäre Vorbelastung dazu kommt…… Diese ist in der Regel entscheidender als Übergewicht!
  3. Mit Diabetes geht häufig auch eine Störung des Fettstoffwechsels einher. Mit anderen Worten, der Cholesterinspiegel ist auch nicht optimal ausbalanciert.
  4. Ein Diabetiker, dessen Blutzuckerspiegel abzusinken droht, kann aggressiv werden. Ich beispielsweise habe festgestellt, dass ich dann mein Umfeld anschnauze für Dinge, für die die Armen gar nichts können.
  5. Ein Diabetiker sollte regelmässig Etwas essen. Wenn ihr also mit einem Diabetiker zum Essen verabredet seid und aus was für Gründen auch immer verspätet seid, gebt bitte frühzeitig Bescheid. Am Besten auch mit so vielen Infos wie möglich. Denn dann können wir entscheiden, ob wir schon eine Kleinigkeit schnabulieren oder es unser Blutzuckerspiegel noch aushält zu warten.
  6. Prinzipiell dürfen wir übrigens Alles essen. Es hängt einfach davon ab, wann wir Etwas essen, was wir dazu konsumieren und was wir über den Tag verteilt schon gegessen bzw getrunken haben. Und natürlich auch, was Nahrungstechnisch noch so geplant ist.
  7. Alkohol senkt zuerst unseren Blutzuckerspiegel, bevor er diesen in die Höhe treibt. Wenn wir uns also Alkohol verweigern, dann wissen wir schon wieso. Bitte akzeptiert und respektiert das. Ihr wollt uns ja nicht in die Notaufnahme bringen 😉
  8. Obst enthält auch Zucker und nicht wenig. Honig übrigens auch, genauso wie Ahornsirup und Agavendicksaft, Birnel oder Beeren.
  9. Diabetes ist nicht ansteckend.
  10. Wir müssen ab und an dieses eklige Stechzeug machen. Damit prüfen wir unseren Blutzuckerspiegel. Mich stört es nicht, wenn du zugucken willst. Nur mit meiner Lanzette lasse ich dich nicht hantieren. Daran hängen nämlich winzigste Blutspuren, die unter Umständen Krankheiten übertragen können.
  11. Je nach Land, aus dem ein Diabetiker stammt, wird mit unterschiedlichen Skalen gemessen. Nach deutscher Skala wäre ich mit einem Nüchternzucker von 6.5 schon lange tot, nach schweizer Skala ist mein Zuckerspiegel höher als erwünscht.
  12. Wer Diabetes hat, führt (hoffentlich) immer sein Messgerät und etwas Traubenzucker mit sich. Im Idealfall sogar eine kleine Menge langsamer Kohlehydrate wie Crackers oder ein kleiner Apfel. Diese Dinge sind für den Fall der Fälle, also wenn der Blutzuckerspiegel absackt und eine Unterzuckerung einzutreten droht oder sogar schon eingetreten ist.
  13. Wenn ein Diabetiker komisch erscheint, z. Bsp. abwesend, verwirrt oder gar betrunken, dann ist er vermutlich unterzuckert. Im Idealfall reicht es aus 3-4 Stück Zucker oder 2 dl zuckerhaltige Limo zu geben, um den Blutzuckerspiegel wieder anzuheben. Sollte die Person bewusstlos sein oder nicht schlucken können, bitte keine Experimente sondern sofort medizinische Hilfe (z. Bsp. die 112 [europäischer Notruf]) rufen. Das gilt auch, wenn nicht innert 15-20 Minuten Besserung eintritt oder sich der Zustand plötzlich verschlechtert.
  14. Unverarbeitete bzw. wenig verarbeitete Produkte sind für Diabetiker (und Nicht-Diabetiker) in der Regel gesünder. Also Vollkornbrot statt Weissbrot, Bratkartoffeln statt Pommes usw.
  15. Wir wollen nicht auf unsere Krankheit reduziert werden, man muss uns deswegen auch nicht in Watte packen. Aber… Diabetes ist ein Einschnitt ins Leben, egal welchen Typ man hat und wie man behandelt wird. Es ist verletzend zu hören, man solle sich wegen dem blöden Blutzucker nicht so kompliziert anstellen.
  16. Last but not least: Wir beissen nicht. Wenn ihr Etwas wissen wollt, dürft ihr gerne fragen.

 

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