Bis jemand ein Licht entzündet

*** Hier geht’s zu Teil 1 ***

Nun sitzt du also da, mit diesem Wort; dieser Diagnose, die doch nur anderen gestellt wird. Dir passiert doch sowas nicht. Doch du blickst zurück auf die letzten Wochen und Monate und erkennst, mit dir stimmt Etwas nicht. Du realisierst, dass deine Gedankengänge nicht gesund, ja sogar gefährlich waren. Und dir wird klar, dass du Etwas ändern musst. Doch du hast auch Angst; wie wird wohl dein Umfeld reagieren? Werden sie dich ablehnen wegen deiner Krankheit? Werden sie dich verurteilen für deine Schwäche?

Als erstes informierst du deine engste Familie – und triffst auf Verständnis.
Dann gibst du der Personalabteilung Bescheid – und triffst auf Verständnis.
Dann suchst du das Gespräch mit deinen Vorgesetzten – und triffst auf Verständnis.
Dann gibst du einigen Freunden Bescheid – und triffst auf Verständnis.
Dann informierst du deine Teamkollegen – und triffst auf Verständnis.
Und du setzt alles auf eine Karte, informierst dein gesamtes Umfeld – und triffst auf Verständnis.

Und im ersten Moment bist du überfordert, denn damit hast du nicht gerechnet. Schliesslich muss man dich doch für dein Schwäche verachten. Doch halt, genau dies ist Teil deiner Krankheit. Diese Gedanken, die dich immer wieder runterziehen. Und du erkennst, unendlich dankbar, dass du nicht allein gelassen, sondern aufgefangen und unterstützt wirst.
Zumindest bei mir war und ist es so.

Mir ist natürlich klar, dass es zum (hoffentlich) Gesundwerden, vor allem meinen eigenen Effort braucht. Eigentlich ein Teufelskreis, denn woher die Kraft dazu nehmen?
Doch ich weiss, dass ich auf die Liebe und Unterstützung meiner Familie zurückgreifen kann.
Ich weiss, dass mich mein Arbeitgeber soweit als möglich in diesem Prozess unterstützen wird.
Ich weiss, dass meine Freunde für mich da sind.
Und das alles gibt mir die Kraft, die ich eigentlich nicht habe.
Denn ich weiss, es lohnt sich zu kämpfen.
Kämpfen für die Menschen, die mich nicht aufgeben.
Kämpfen für die Leute, die an mich glauben.
Kämpfen für eine Zukunft, in der ich wieder richtig lachen und mich freuen kann.
Ja, ich bekomme Psychopharmaka, doch das ist nichts verwerfliches. Ich habe beschlossen, von Happy Pills zu sprechen. Klingt irgendwie viel positiver.
Ja, ich werde eine Psychotherapie machen, vielleicht sogar einen Klinikaufenthalt. Doch das hilft mir auf meinem Weg, warum soll ich mich also dafür schämen.
Ja, ich bin in einer Selbsthilfegruppe. Doch genau das tut diese Gruppe, mir helfen, wo es Gesunde nicht können.

Licht_ReaSigg_drachenkralle.net

Mein Kampf gegen die Krankheit, gegen den Schwarzen Hund hat gerade erst angefangen. Er wird lange werden, er wird schmerzhaft werden und der Weg wird mit vielen Tränen benetzt sein. Doch ich muss ihn nicht alleine gehen.

In meiner Dunkelheit entzündet sich ein Licht nach dem anderen und führt mich langsam aber stetig zurück in den Sonnenschein.

Ein Kommentar zu „Bis jemand ein Licht entzündet

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  1. Mit Rückhalt (und vor allem Verständnis!) von Familie & Freunden geht es leichter. Bei mir hakte es damals schon am ersten Punkt…
    aber es wird. Die Erkenntnis, WAS nicht stimmt ist der Wendepunkt und der erste Schritt (wieder) in ein besseres und normales Leben.
    Bei mir heißen sie Glückspillen. Und sie zu nehmen ist nix wildes – bei Kopfschmerzen nehme ich ja auch etwas. 😊

    Gefällt 1 Person

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